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Rückstände in Reinräumen

Eine persönliche Reise aus Sicht von David Keen

Cleanroom Surface Residue Article for Life Sciences

Als ich zu Ecolab kam, lag mein Augenmerk auf der Welt der Desinfektionsmittel. Ich habe schnell realisiert, dass ich Desinfektionsmittel und ihre Nutzung für selbstverständlich hielt. Der Hauptgrund dafür war, dass ich von einem Standort zum nächsten fuhr und Reinigung sowie Desinfektion an den jeweiligen Standorten „immer schon so gemacht wurden“.

Eine Überprüfung der damit zusammenhängenden Trends der Umweltüberwachung (EM) zeigte einen Grad der Kontrolle, der alle zufrieden stellte. Eines der Worte, das kaum benutzt wurde, war „Rückstände“. Dieser Begriff hat allerdings für verschiedene Menschen viele unterschiedliche Bedeutungen. Für einige kann es ein Beweis für eine Produktkontamination sein, oder ein Nachweis dafür, dass eine Reinigung und Desinfektion durchgeführt wurde, und für andere ein Hinweis auf mangelnde Kontrolle.

Als Mitglied einer Nicht-Handelsorganisation bestand eine meiner Aufgaben darin, den Entwurf des Anhangs 1 zu überprüfen, als er 2017 zur Kommentierung vorlag. Wir haben uns den Anhang mit einem mikrobiologischen Schwerpunkt angesehen und fanden dort vieles, dem wir zustimmen konnten, jedoch auch einige Dinge, die in Frage gestellt werden mussten. Dann kam ich zu Ecolab. Anbieter von Reinraumdesinfektionsmitteln sind ebenfalls an den Inhalten des Anhangs 1 interessiert. Es ist viel Literatur verfügbar, aber die meisten Anbieter von Desinfektionsmitteln sagen weitestgehend dasselbe. Das ist eine gute Nachricht für die Industrie.


Die Bedenken zu Rückständen

Als Hersteller von Desinfektionsmitteln haben wir eine anhaltende und zunehmende Besorgnis der Aufsichtsbehörden über Rückstände von Desinfektionsmitteln nach ihrer Nutzung beobachtet. Der visuelle Aspekt von Rückständen war schon immer von Belang, und es gibt Aufzeichnungen von Pharmaunternehmen, die wegen des Vorhandenseins von Rückständen in der Reinraumumgebung gerügt wurden. Eine kürzlich durchgeführte Überprüfung der FDA 483 enthält die folgenden Beanstandungen.

  • Unzureichende Validierung von Reinigungsverfahren, 37 Beanstandungen
  • Unzureichende Validierung der Desinfektionsprodukte, 8 Beanstandungen​​​​​​​
  • Probleme mit Rückständen, 17 Beanstandungen

Als weiteres wichtiges Thema, das derzeit überprüft wird, ruft der Entwurf des Anhangs nun die Notwendigkeit der Kontrolle dieser Rückstände in Erinnerung und wirft Bedenken hinsichtlich möglicher latenter Auswirkungen von Rückständen auf. Dies wird in den Abschnitten 6.5 A und B des Entwurfs des Anhangs 1 hervorgehoben, die sich auf möglicherweise eine Barriere bildende und/oder ein Partikelrisiko für das hergestellte Produkt darstellende Rückstände beziehen.

Hier haben wir also den Anhang mit einer Erklärung, warum jede Art von Rückstand ein Risiko darstellt. Sie stellen ein physikalisches oder chemisches Kontaminationsrisiko für den Herstellungsprozess dar.​​​​​​​ Wie auch immer man zu behördlichen Vorgaben steht, ich finde immer eine Erklärung für ihr Vorhandensein und ihren Wert.

Es gibt ein neues spezifisches Statement über Desinfektionsmittel, das hervorhebt, dass Reinigungsprogramme bei der Entfernung der Rückstände von Desinfektionsmitteln wirksam sein sollten. Dies knüpft an die Anforderungen für Produkte mit geringen oder minimalen Rückständen an und macht deutlich, dass unkontrollierte Rückstände auf Oberflächen nicht mehr geduldet werden dürfen. Auch hier stellt das Vorhandensein der Rückstände von Desinfektionsmitteln grundsätzlich ein Risiko für die Produktqualität dar, entweder als physikalisches oder chemisches Kontaminationsrisiko. Dies ist in der Branche Industrie nichts Neues. Daher werden Produkte wie Alkohole üblicherweise in unmittelbarer Nähe von offenen Produkten verwendet, da sie wenig oder keine Rückstände hinterlassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass vom Produkt, vom Prozess oder von der Desinfektion stammende Rückstände ein physikalisches oder chemisches Kontaminationsrisiko für die Produktqualität darstellen.


Wie definiert man einen Rückstand?

In meiner Position erlebe ich häufig, dass Unternehmen Probleme mit der Definition von Rückständen haben, diese nicht entfernen können und die Risiken nicht kennen. Ich möchte mich jetzt dem letzten Punkt widmen, wie man Rückstände entfernt. Zunächst müssen wir verstehen, was ein Rückstand ist, bevor wir uns mit seiner Entfernung beschäftigen können.

Rückstände lassen sich grob in zwei Arten unterteilen: Rückstände aus dem Herstellungsprozess und Rückstände aus dem Reinigungs- und Desinfektionsprozess. Reinraum-Desinfektionsmittel sind üblicherweise Chemikalien auf Wasserbasis und alle leicht in Wasser löslich. Daher ist das beste Lösungsmittel zur Entfernung eines Desinfektionsmittels Wasser. Normalerweise ist dies ein Wasser für Injektionszwecke WFI oder gereinigte Qualität, je nach Standort und Risiko für den Reinraum. Wie Ihnen jedoch alle guten Mikrobiologen sagen können, birgt das in Reinräumen verwendete Wasser ein weiteres Risiko, und zwar von mikrobiologischem Wachstum. Um diesem Risiko zu begegnen, wird üblicherweise ein alternatives Lösungsmittel entweder zusammen mit Wasser oder als Ersatz für Wasser verwendet. Dies sind die 70%igen Alkohole. Zwar sind dies selbst Desinfektionsmittel, jedoch werden sie auch dazu verwendet zur Reduktion der Rückstände anderer Desinfektionsmittel verwendet, aber ohne das höhere mikrobiologische Risiko im Vergleich zu „nur“ Wasser.

Aber wie steht es um die andere Gruppe aus dem Herstellungsprozess? Auch diese rückstandsbildenden Verbindungen lassen sich, wenn sie auf Wasserbasis oder als physikalischer Schmutz vorliegen, mit Wasser oder Alkohol entfernen. Einige Produkte sind jedoch in der Reinraumumgebung ziemlich hartnäckig, wenn man sie mit Wasser entfernen möchte. Hier kommen Reinigungsmittel zur Geltung. Die tensidischen Eigenschaften von Reinigungsmitteln helfen beim Abbau komplexer Moleküle und erleichtern den Reinigungsprozess. Diese Reinigungsmittel hinterlassen jedoch ebenfalls Rückstände und müssen daher abgespült werden.

Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Frage, wie ein Rückstand gemessen oder nachgewiesen werden kann.​​​​​​​ Ich würde zunächst kleine Schritte empfehlen. Prüfen Sie erst, welcher Art Ihre Rückstände sind, bevor Sie nach Wischmopp und Eimer greifen.

Ecolab veröffentlicht weiterhin fundierte wissenschaftliche Studien über die Entfernung der Rückstände von Desinfektionsmitteln. Auf der kürzlich abgehaltenen Jahreskonferenz der britischen Pharmig präsentierte Ecolab eine offene Sitzung über die Entfernung der Rückstände von Desinfektionsmitteln und wie man mit diesem Thema umgeht. Teilnehmer waren Mitglieder der Pharmabranche und Anbieter von Desinfektionsmitteln. Die positive Nachricht für unsere Branche ist, dass die Anbieter von Desinfektionsmitteln dem guten Beispiel von Ecolab zu folgen scheinen. Wir haben beobachtet, dass verschiedene Anbieter von Desinfektionsmitteln ergänzende Artikel veröffentlicht haben, die alle denselben Inhalt zur Beseitigung von Rückständen haben. Meiner Erfahrung nach kommen wir durch eine Koordination der Anbieter einer Lösung des Problems nahe bzw. können, um sich zeitgemäß auszudrücken, das Risiko reduzieren.

Ecolab Life Sciences Insight Articles

David Keen, Director of Pharmaceutical Microbiology

David Keen ist pharmazeutischer Mikrobiologe. Er hat in vielen Bereichen der Pharmazeutik gearbeitet, u. a. in der Primär- und Sekundärherstellung – sowohl von sterilen als auch von nicht sterilen Darreichungsformen – für die FMCG-, CMO- und klinische Studien-Fertigung.

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